
Rebranding
Rebranding steuern: Von der Markenanalyse bis zur Umstellung
Ein Rebranding ist mehr als ein Facelift: dmcgroup ordnet es als strategischen Schritt ein, nicht als kosmetische Veränderung.
Wann ein Rebranding wirklich notwendig ist
Ein Rebranding ist mehr als ein Facelift: dmcgroup ordnet es als strategischen Schritt ein, nicht als kosmetische Veränderung. Ziel ist, die Marke an aktuelle Marktbedingungen, Kundenerwartungen und Unternehmensziele anzupassen. Ein neues Logo allein löst nichts, solange Positionierung, Sortiment oder Vertriebslogik unverändert bleiben.
dmcgroup nennt drei typische Auslöser: eine deutliche Marktveränderung, durch die die bestehende Marke nicht mehr wettbewerbsfähig ist; ein veraltetes oder als irrelevant wahrgenommenes Image; interne Entwicklungen wie eine Neuausrichtung der Geschäftsfelder oder eine veränderte Unternehmensstruktur. Hinzu kommt die Anpassung an kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen, weil sich Werte und Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten verschieben.
In Österreich fällt die Entscheidung oft schwerer. connected-brands zufolge ist der heimische Markt kleiner und stärker konzentriert als jener in Deutschland; der Lebensmitteleinzelhandel wird von der Marktdominanz weniger Anbieter geprägt. Wer hier neu positioniert, muss mit begrenzten Regalflächen und wenigen, aber mächtigen Handelspartnern rechnen.
dmcgroup betont zugleich, dass ein Rebranding aufwendig und kostspielig ist und nicht leichtfertig erwogen werden sollte. Die Frage lautet daher nicht „neu oder nicht neu“, sondern „gibt es einen belegbaren Grund und ein klares Ziel“.
Reine Anpassungen an Farbe, Schrift oder Bildsprache, ohne Angebot, Preislogik oder Zielgruppe zu ändern, sind ein Redesign, kein Rebranding. Von einem echten Rebranding spricht man, wenn Werte, Positionierung und Kundenerlebnis neu ausgerichtet werden und sich das in Sortiment, Kommunikation und Vertrieb niederschlägt.
Markenanalyse mit österreichischem Marktfokus
Den Auftakt bildet die Bestandsaufnahme. Der Marktanalyse-Service von connected-brands für Lebensmittel- und Drogeriehandel sieht unter anderem eine detaillierte Analyse ausgewählter Warengruppen vor, auf Wunsch mit Nielsen-Daten für Österreich. Enthalten ist eine Bewertung der aktuellen Marktposition mit umfangreicher Wettbewerbsanalyse in der jeweiligen Warengruppe entlang der vier Dimensionen Product, Price, Place und Promotion, ergänzt durch eine detaillierte Aufbereitung von Marktanteilen und Listungssituation.
Der Österreich-Blick ist eigenständig zu führen. connected-brands stellt genau jene Fragen, die in der Praxis oft übersprungen werden: Wie unterscheidet sich der österreichische Markt von jenem in Deutschland oder der Schweiz? Welche Anpassungen braucht die Vertriebsstrategie? Und wie werden Endkonsumentinnen und Endkonsumenten in Österreich effektiv erreicht?
Wer deutsche Kennzahlen und Listungslogiken ungeprüft überträgt, übersieht strukturelle Unterschiede. Dazu zählen die kleinere, konzentrierte Handelslandschaft und die Bedeutung von Regionalität.
Bei der Preispositionierung gibt es laut connected-brands keine pauschale Antwort: Sie hängt von Produktkategorie, Wettbewerb und Zielgruppe ab. Entscheidend ist die Stimmigkeit von Preis, Produktqualität, Markenversprechen und Konsumentennutzen.
Der österreichische Lebensmittelhandel bietet grundsätzlich Platz für Einstiegs-, Mittel- und Premiumsegmente. Neue Produkte sollten sich jedoch klar differenzieren und einen nachvollziehbaren Mehrwert bieten – über Innovation, Qualität, Herkunft, Nachhaltigkeit oder Convenience.
Zum Konsumentenverhalten hält connected-brands fest, dass österreichische Konsumentinnen und Konsumenten häufig großen Wert auf Qualität, Regionalität, Herkunft und Vertrauen in Marken legen, während das Preis-Leistungs-Verhältnis wichtig bleibt. Das ist kein Widerspruch, sondern der Rahmen, in dem eine Positionierung funktionieren muss.
Ein ergänzender Blick gilt der Wettbewerbsaufsicht: Die Bundeswettbewerbsbehörde hat eine Branchenuntersuchung Lebensmittel durchgeführt. Dabei ging es auch darum, sensible Unternehmensinformationen von Marktteilnehmern zu schützen. Für Marken, die Listungen verhandeln, ist das ein Hinweis, wie aufmerksam Preis- und Konditionenthemen im österreichischen Lebensmittelhandel beobachtet werden.
Österreichischer vs. deutscher Lebensmittelmarkt: Strukturelle Unterschiede
- Marktgröße
- kleiner, konzentrierter Markt in Österreich
- Handelslandschaft
- wenige, aber mächtige Handelspartner (z. B. Billa, Spar, Hofer)
- Regionalität
- hohe Bedeutung für Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich
- Preispositionierung
- nicht pauschal, abhängig von Produktkategorie, Wettbewerb und Zielgruppe
- Konsumentenwerte
- Qualität, Herkunft, Nachhaltigkeit, Vertrauen – kombiniert mit Preis-Leistungs-Verhältnis
Wichtigste Konsumentenwerte im österreichischen Lebensmittelmarkt
- Qualitäthöchste Priorität bei Konsumentinnen und Konsumenten
- Regionale Herkunftwichtig für Vertrauen und Kaufentscheidung
- Nachhaltigkeitwachsende Relevanz, besonders bei jüngeren Zielgruppen
- Vertrauen in die Markegrundlegend für Loyalität und wiederholte Käufe
- Preis-Leistungs-Verhältniswichtig, aber nicht ausschlaggebend allein
Ziele, Zielgruppen und Positionierung schärfen
Der Rebranding-Guide von kochan beginnt mit dem Schritt „Discover“. Dort sind Planung, Zielsetzung, Modernisierung, Zielgruppe, Konsumentenbedürfnisse, Werte und Ästhetik sowie Risiken verortet. Erst wenn klar ist, wen man erreichen will und welche Bedürfnisse und Werte zählen, lassen sich Gestaltung und Kommunikation ableiten.
Aus den Analyseergebnissen entsteht die Rebranding-Strategie. dmcgroup beschreibt die Wirkung eines gelungenen Rebrandings als Kombination aus aufgefrischtem Image, Abgrenzung von der Konkurrenz und stärkerer Verbindung zu den Zielgruppen.
Diese drei Ziele sind nicht deckungsgleich. Eine Modernisierung spricht breitere oder jüngere Zielgruppen an. Eine Differenzierungsstrategie schärft das Profil gegen bestehende Wettbewerber. Eine Werteorientierung verlangt nachvollziehbare Belege im Alltag der Marke.
Ein oft unterschätzter Teil der Zielsetzung ist die interne Seite. dmcgroup nennt als Auslöser ausdrücklich eine Neuausrichtung der Geschäftsfelder oder eine veränderte Unternehmensstruktur und verweist darauf, dass klassische Bindungsstrategien wie hohes Gehalt oder Job-Sicherheit bei der Generation Z oft zu kurz greifen.
Diese Gruppe erwartet mehr als monetäre Anreize und sucht eine sinnvolle, erfüllende Arbeitsumgebung. Nach Angaben von dmcgroup erhöhen Unternehmen, die gezielt auf Bedürfnisse und Werte dieser Generation eingehen, ihre Bindungsraten und bauen eine innovationsfreudigere Belegschaft auf. Eine Positionierung, die nach innen nicht trägt, hält auch nach außen nicht.
Markenidentität und Design übersetzen
Die Markenidentität ist laut dmcgroup eines der wertvollsten Güter eines Unternehmens. Sie spiegelt Werte und Visionen wider und bestimmt mit, wie Kundinnen, Partner und Öffentlichkeit die Marke wahrnehmen. Deshalb muss die Übersetzung von der Strategie in die Gestaltung nachvollziehbaren Regeln folgen – sonst wirkt die Marke beliebig.
Die Übersetzungsarbeit betrifft mehrere Ebenen zugleich: Name und Namensarchitektur, visuelles Erscheinungsbild, Tonalität in der Ansprache und das konkrete Kundenerlebnis an Verkaufspunkten, auf der Website, im Kundenservice und in der Zusammenarbeit mit dem Handel. kochan verortet Ästhetik, Bedürfnisse und Werte im Discover-Schritt. Damit wird deutlich: Gestaltung wird nicht am Ende als Geschmacksfrage entschieden, sondern folgt aus den formulierten Zielen und Zielgruppen.
Ein brauchbarer Test für jede Designentscheidung: Lässt sie sich auf ein formuliertes Ziel oder einen belegten Konsumentennutzen zurückführen? Bleibt ein Element nur, weil es „schon immer so war“, ist es ein Kandidat für Veränderung. Ist ein Element nur neu, weil es modern aussieht, aber keine Aussage über Qualität, Herkunft, Regionalität oder Convenience stützt, erzeugt es Kosten ohne Positionierungswirkung.
Im österreichischen Handel kommt hinzu: Die Marke muss auf begrenzter Fläche sofort erklären, wofür sie steht. Das gilt gegenüber wenigen Handelsentscheidern.
Umstellung steuern: Meilensteine, interne Kommunikation und Risiken
dmcgroup beschreibt den Prozess von der Analyse bis zur langfristigen Pflege. Daraus ergibt sich ein Ablauf in Phasen: Analyse und Bestandsaufnahme, Strategie und Positionierung, Identität und Design, Umsetzung und danach laufende Pflege. Jede Phase braucht eine verantwortliche Person mit Entscheidungsbefugnis, ein definiertes Ergebnis und einen Termin, zu dem dieses Ergebnis vorliegt.
Für den Zeitplan ist entscheidend, dass die Umstellung nach außen nicht früher sichtbar wird als nach innen. Mitarbeitende sollten die neuen Werte, die Tonalität und die Argumente kennen, bevor sie Kundinnen und Kunden begegnen – besonders im Handel, wo Verkaufsgespräche und Regalauftritte zusammenwirken.
dmcgroup ordnet ein Rebranding als aufwendigen und kostspieligen Prozess ein. Deshalb gehören ein realistischer Ressourcenrahmen und ein Puffer für Nacharbeiten in die Planung.
Risiken lassen sich im Vorfeld systematisch sammeln: kochan ordnet Risiken bereits dem Discover-Schritt zu. Typische Fragen sind der Verlust von Wiedererkennung, Irritation bei Stammkundschaft, parallele Altbestände an Verpackungen und Unterlagen, uneinheitliche Umsetzung durch Partner sowie eine Lücke zwischen dem, was die Marke verspricht, und dem, was Produkt und Service einlösen. Jedes identifizierte Risiko braucht eine Gegenmaßnahme und eine Person, die sie verantwortet.
Die Kommunikation begleitet die gesamte Umstellung, nicht nur den Stichtag. Sinnvoll ist eine gestufte Reihenfolge: zuerst intern, dann Handelspartner und Vertrieb, dann die breite Öffentlichkeit.
Wichtig ist, dass die Begründung des Rebrandings überall dieselbe bleibt – Marktveränderung, veraltetes Image oder interne Neuausrichtung. Im Handel ist abzustimmen, ab wann welche Verpackungs- und Kommunikationsstände im Regal stehen.
Markenversprechen rechtssicher und glaubwürdig formulieren
Nachhaltigkeits- und Umweltaussagen sind im Zuge eines Rebrandings ein besonders sensibles Feld. Das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie, Tourismus und Sport (BMWET) informiert über die Umsetzung der Richtlinie (EU) 2024/825 zur Stärkung der Verbraucherinnen und Verbraucher für den ökologischen Wandel.
Die Richtlinie ändert die Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken 2005/29/EG, für die das BMWET zuständig ist, sowie die Verbraucherrechte-Richtlinie 2011/83/EU, die in die Zuständigkeit des BMJ fällt. Die Umsetzung erfolgt durch Novellierung des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG); die neuen Bestimmungen sind ab 27. September 2026 anzuwenden. Eine Übergangsbestimmung sieht vor, dass zivilrechtliche Ansprüche betreffend Waren für einen bestimmten Zeitraum weiterhin eingeschränkt geltend gemacht werden können.
Für die Markenarbeit sind die vorgesehenen Neuerungen im UWG besonders relevant. Für allgemeine Umweltaussagen gelten strengere Voraussetzungen. Das betrifft Aussagen, die nicht in einem Nachhaltigkeitssiegel enthalten sind oder deren Spezifizierung nicht auf demselben Medium klar und hervorgehoben angegeben ist. Für solche Umweltaussagen soll der Nachweis einer anerkannten hervorragenden Umweltleistung erbracht werden, insbesondere durch das EU-Umweltzeichen oder anerkannte nationale Umweltzeichen.
Nachhaltigkeitssiegel sollen künftig nur zulässig sein, wenn sie von staatlichen Stellen stammen oder auf einem Zertifizierungssystem beruhen. Dieses muss den Voraussetzungen entsprechen und allen die Anforderungen erfüllenden Unternehmern offenstehen.
Umweltaussagen zu künftigen Umweltleistungen müssen laut BMWET mitsamt messbaren und zeitgebundenen Zielen in einem öffentlich zugänglichen Umsetzungsplan festgehalten werden. Der Plan wird von unabhängigen externen Expertinnen und Experten regelmäßig überprüft.
Vorgesehen ist außerdem ein Verbot produktbezogener Aussagen zur Klimaneutralität. Das gilt auch für Aussagen zu verringerten oder positiven Auswirkungen auf die Umwelt. Voraussetzung ist, dass sich die Aussage auf die Kompensation von Treibhausgasemissionen außerhalb der Wertschöpfungskette begründet.
Flankierend sieht die Umsetzung im Zusammenhang mit der Obsoleszenz von Waren neue Verbote im Anhang des UWG vor. Dazu zählt ein Verbot der kommerziellen Kommunikation über eine Ware, wenn ein Merkmal zur Begrenzung der Haltbarkeit enthalten ist und dem Unternehmer Informationen über dieses Merkmal und seine Auswirkungen zur Verfügung stehen.
Auch die Werbung mit Vorteilen soll ausdrücklich untersagt werden. Das gilt, wenn die Vorteile irrelevant sind und sich nicht aus einem Merkmal des Produkts oder der Geschäftstätigkeit ergeben.
Praktisch heißt das für ein Rebranding: Umwelt- und Nachhaltigkeitsversprechen gehören frühzeitig auf den Prüfstand, gemeinsam mit der Rechtsabteilung oder externer Beratung. Claims, Siegel und Verpackungstexte müssen sich an diesen Stoßrichtungen messen lassen. Das ersetzt keine Rechtsberatung.
Wichtige Rechtsvorschriften für Umweltaussagen ab 27. September 2026
- Gültigkeitsbeginn
- 27. September 2026
- Nachweis für Umweltaussagen
- anerkannte hervorragende Umweltleistung (z. B. EU-Umweltzeichen oder nationale Zertifikate)
- Zulässige Siegel
- nur staatliche Stellen oder öffentlich zugängliche Zertifizierungssysteme
- Klimaneutralität
- Verbot produktbezogener Aussagen; nur bei externer Kompensation möglich
- Haltbarkeit & Obsoleszenz
- Verbot der Werbung über künstlich begrenzte Haltbarkeit, wenn Unternehmer informiert ist
Nach dem Relaunch: Marke pflegen und Wirkung messen
Ein Rebranding endet nicht mit dem Stichtag. dmcgroup beschreibt den Prozess ausdrücklich als Weg von der Analyse bis zur langfristigen Pflege. Nach dem Relaunch braucht es daher einen laufenden Rahmen: Wer ist für die Marke verantwortlich, wer entscheidet über Abweichungen, und wie werden neue Mitarbeitende, Agenturen und Handelspartner auf den aktuellen Stand gebracht?
Für die Wirkungsmessung bieten sich dieselben Kennzahlen an, die schon in der Analyse erhoben wurden. Der Marktanalyse-Service von connected-brands sieht unter anderem die Aufbereitung von Marktanteilen und der Listungssituation sowie eine Potenzialanalyse vor. Diese Größen lassen sich nach dem Relaunch erneut erheben. Ein Vergleich mit dem Ausgangsstand zeigt, ob die neue Positionierung im Handel ankommt oder nur in der eigenen Kommunikation.
Nachjustieren gehört zur Pflege. Weil der österreichische Markt kleiner und stärker konzentriert ist als jener in Deutschland oder der Schweiz, sind regelmäßige Überprüfungen sinnvoll. Auch Konsumentenbedürfnisse rund um Qualität, Regionalität, Herkunft und Preis-Leistung entwickeln sich weiter. Zu prüfen ist: Welche Segmente tragen, welche Listungen wurden erreicht, welche Botschaften verfangen, und wo weicht die Wahrnehmung von der beabsichtigten Positionierung ab?
Anpassungen sollten inkrementell bleiben. So wird die Marke nicht bei jeder Marktbewegung neu erfunden.


